gefördert von:
Filmstiftung NRW
Filmförderung Hamburg

Juli 2003. Es ist sehr kalt in Montevideo. Am Ende eines Drehtages gehen wir auf ein Bier in eine Bar in der Nähe des Sets. Wir, das sind die beiden Regisseure, der Tontechniker und der Regieassistent. Der Regieassistent geht telefonieren. Er kommt zurück und erklärt uns mit monotoner Stimme, daß sich der Drehplan für den nächsten Tag geändert hat. Wir fragen ihn warum, und er belügt uns. Eigentlich sollte er uns nicht belügen, denn er ist ein Freund aus unserer Universitätszeit. Wir kennen ihn seit unserem 18. Lebensjahr. Wir fragen ihn, was los ist. Er erklärt uns, daß das Auto für die Szene am nächsten Tag, das Auto, das wir schon in mehreren Einstellungen zuvor verwendet haben, verkauft wurde. Das Auto ist ein schäbiger Schrotthaufen, den nur eine so nachlässige Person wie Jacobo, die Hauptfigur des Films, fahren kann. Ein Tontechniker fragt: ‘Wer will denn so eine Kiste kaufen?’ Der Regieassistent genehmigt sich einen kräftigen Schluck Bier und antwortet: ‘Ein Schrotthändler.’

Es ist extrem kompliziert, in Uruguay einen Film zu produzieren. Natürlich ist diese Feststellung auf nahezu jedes Land anwendbar, und sie wäre immer noch richtig. Aber in Uruguay ist es kompliziert, überhaupt irgendetwas zu produzieren. Zum Beispiel Strümpfe, wie man es in dem Film WHISKY sehen kann. Um unseren ersten Spielfilm ‘25 Watts’ zu produzieren, mußten wir eine semi-collaborative Form der Produktion erfinden. Das war damals die einzige Möglichkeit, um das Projekt zum Abschluß zu bringen. Nach den Erfahrungen, die wir mit der Produktion von ’25 Watts’ gesammelt hatten, mußten wir bei WHISKY noch einen Schritt weiter gehen.

WHISKY wurde ermöglicht dank der Unterstützung durch Einzelpersonen und Firmen aus mehreren Ländern. Außerdem wir hatten den kreativen Input des gleichen Teams von uruguayischen Technikern, das schon bei ’25 Watt’ mitgewirkt hatte.

August 2003. Es ist sehr kalt in Piriápolis. In einem Korridor eines alten Hotels fallen sich rund 40 Leute in die Arme. Gerade wurde zum letzten Mal ‘Cut!’ gerufen. Die Dreharbeiten sind zu Ende. Acht Wochen alles in allem, und nun ist es vorbei. Alle haben längst das ramponierte Auto und die kalten Nächte vergessen. Manche weinen. Wir sind alle müde und ergriffen. Einige von uns sind schon seit zehn Jahren miteinander befreundet. Alle haben wir davon geträumt, in Uruguay Filme zu machen. Heute haben wir unseren zweiten vollendet. Wir wissen alle, wie schwer das ist, aber in diesem Moment würden wir nicht zögern, gleich wieder mit einem anderen Film anzufangen. Denn je schwieriger etwas ist, umso schöner ist es. Stimmt doch, oder?


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